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Frankreich - Weinanbauland



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Frankreich ist eines der bekanntesten und größten Weinanbauländer Europas. Auf einer Gesamtrebfläche von ca. 900.000 ha werden jährlich von mehr als 150.000 Betrieben, circa 60 Mio. Hektoliter Wein hergestellt. Davon entfallen 70 % der Gesamtproduktion auf Rotweine und Roséweine und lediglich 30 % auf Weißweine.



Geschichte

Die Geschichte des französischen Weinbaus beginnt mit der Ansiedlung von griechischen Einwanderern aus Kleinasien, den so genannten Phokern, ca. 600 v. Chr. Sie brachten die ersten Rebsorten nach Frankreich und legten den Grundstein für die Kultivierung von Reben im Süden des Landes. Da die Rebsorten vorwiegend aus warmen Klimazonen stammten, war der Weinanbau zu dieser Zeit hauptsächlich auf Südfrankreich beschränkt.

Um 200 v. Chr. wurde Südfrankreich, vor allem aber die Stadt Marseille für die Römer immer interessanter. Die Römer waren nämlich auf der Suche nach einem Stützpunkt, von dem aus sie ihre Handelswaren, geschützt vor den Piraten des westlichen Mittelmeeres, nach Spanien transportieren konnten. So begannen die Römer ganz Südfrankreich zu erobern. Sie nannten das eroberte Reich Provincia (heute Provence). Unter dem Einfluss der Römer begannen dann auch die Gallier Wein herzustellen. Der Weinbau wurde immer populärer und zahlreiche neue Weinberge wurden errichtet, vor allem in den großen Flusstälern von Rhône, Sâone, Garonne, Dordogne und Loire aber auch an der nördlichen Marne.

Nach den Römern eroberten die Germanen Südfrankreich und einige kurzlebige Königreiche wurden geschaffen. Nach der Vorherrschaft der Germanen eroberten die Franken Gallien und errichteten ein dauerhaftes Königreich, das sogenannte Frankreich. Während der Zeit von Karl dem Großen florierte der Weinbau wieder und Friede und Wohlstand hielt in der Region Einzug. Durch die Gründung zahlreicher Klöster im 12. und 13. Jhd. wurden wiederum zahlreiche Weinberge gegründet die noch heute von großer Bedeutung sind.

Im Mittelalter erreichte der Weinbau seinen Höhepunkt. Das Land verfügte über die größte Ausdehnung an Rebflächen. So befanden sich noch weit nördlich von Paris und bis in die Bretagne Reben, die zur Herstellung von Wein genutzt wurden. Ausschlaggebend war zu dieser Zeit aber nicht die Qualität der Weine sondern die Lage, wodurch auch der rasante Aufstieg von Weinbaugebieten wie dem Bordeaux, dem Rhône-Tal oder den Weinbergen entlang der Loire erklärt.

Durch die Französische Revolution kam es ab 1789 zu starken Veränderungen in den Besitzstrukturen der Weinberge. Die Herstellung und der Vertrieb bleiben aber nahezu unverändert. Allerdings kam durch das gesellschaftlich aufsteigende Bürgertum eine neue Konsumentenschicht hervor, die den Wein für sich entdeckte und die Wirtschaft deutlich ankurbelte.

Einen Rückschlag erlebte der französische Weinbau durch zahlreiche Rebkrankheiten, wie den Echten Mehltau oder die Reblaus, die aus Nordamerika einfielen. Schlussendlich konnte man der Katastrophe erst sehr spät, durch das Aufpfropfen europäischer Edelreiser (= ein wenige Zentimeter langes Teilstück einer Rute einer Edel-Rebsorte, das auf einen Wurzelstock speziell für diesen Zweck oder eine Rebsorte minderer Qualität aufgepfropft wird), auf resistente amerikanische Unterlagsreben, Herr werden. Bis dahin waren aber schon die meisten Weinberge annähernd zerstört.

Durch technische und qualitative Forschritte im 20. Jh. konnte sich der Weinbau aber wieder erholen. Strengere Kontrollen und bessere Weingesetze wurden geschaffen. Nur so konnte Frankreich wieder den Sprung an die Spitze der internationalen Weinszene schaffen.



Topografie und Klima

Die Weinbaugebiete liegen ideal zwischen dem 42. und dem 50. nördlichen Breitengrad.

Im Süden des Landes herrscht ein mediterranes Klima, welches eine zuverlässige Reife des Traubengutes garantiert. Weiters verhindert die kühle Brise vom Meer, dass sich essentielle Geschmacks- und Aromastoffe verflüchtigen.

In den westlichen Bereichen ist der Atlantik für ein etwas kühleres Klima verantwortlich, welches aber durch den Golfstrom deutlich gemildert wird. Trotz einiger Regenfälle, die durchaus auch ergiebig sein können, wirkt sich das Klima keineswegs negativ auf die Reben aus.

Im Osten ist das Klima von kontinentalen Einflüssen geprägt, hier besteht die größte Gefahr von Frostschäden während des Austriebs. Eine weitere Gefahr stellen starke Regenfälle dar, die in der Blütezeit der Reben auftreten können.



Rebsorten

Frankreich ist ein wahrhaftes Rotweinland. Etwas mehr als 70 % der gesamten Rebfläche sind mit roten Rebsorten bedeckt. Nur 30 % entfallen auf weiße Rebsorten.

Rote Rebsorten

Bei den Rotweinrebsorten dominiert der Merlot, gefolgt von Grenache, Carignan, Syrah und Cabernet sauvignon.

Darüber hianus sind auch Cabernet Franc, Cinsault, Gamay, Malbec, Mourvèdre, Pinot meunier, Grolleau und Pinot noir von Bedeutung.

Weiße Rebsorten

Bei den Weißweinrebsorten nimmt die Ugni blanc-Traube die Spitzenposition ein, sie liefert aber meist nur Grundweine, die als Basis für Spirituosen, wie Cognac oder Armagnac verwendet werden. Für die reine Weinherstellung ist die Chardonnay-Traube von großer Bedeutung.

Weiters werden Sémillon, Pinot Blanc, Pinot Gris, Muscat blanc à petits grains, Melon de Bourgogne , Riesling, Macabeu, Grenache Blanc, Folle Blanche, Colombard, Chenin blanc, Chasselas, Auxerrois, Viognier und Aligoté kultiviert.



Eigenschaften

Frankreich verfügt über eine umfangreiche Palette an unterschiedlichen Weinen. Den Großteil stellen aber Rotweine dar, die sich meist an den kräftigen, wuchtigen, tanninreichen und lagerfähigen Gewächsen des Bordeaux oder des Burgund orientieren. Neben diesen kräftigen Rotweinen werden aber auch leichtere und fruchtigere Rotweine hergestellt, die für den täglichen Konsum geeignet sind und über ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis verfügen.

Die Roséweine die im Süden des Landes gekeltert werden verfügen über hohe Qualitäten und gelten als leicht, frisch und spritzig.

Die französischen Weißweine verfügen über einen großen Körper, Fruchtigkeit und Volumen. Im Gegensatz zu den kräftigen Weißweinen werden die Roséweine häufig zu leichten, fruchtigen und spritzigen Weinen ausgebaut.

Zudem produziert Frankreich weltbekannte Schaumweine aus der Champagne, die durch ihre Qualität Weltruhm erlangten. Neben den Schaumweinen sind die zahlreichen Süßweine des Landes erwähnenswert, die im Jura, im Bordeaux oder im Süden des Landes hergestellt werden.



Französische Weinbaugebiete

Das Land ist verwaltungsmäßig in insgesamt 95 Départements unterteilt, die sich in Kreise (Arrondissements) und Kantone aufteilen. Die Weinbaugebiete sind ziemlich gleichmäßig über drei Viertel der Landesoberfläche verteilt. Unter dem Schutz und Aufsicht der INAO (Institut national de l'origine et de la qualité) erfolgte eine Einteilung in 12 Gebiete die in ca. 460 Appellationen gegliedert sind.



Klassifizierungen und gesetzliche Grundlagen

Der Weinbau Frankreichs zählt zu den am strengsten kontrollierten der Welt. Jede abgefüllte Flasche gehört einer eigenen Qualitätsklasse an.

A.O.C.-Weine - Appellation d'Origine Contrôlée

Als A.O.C.-Weine bezeichnet man die oberste Qualitätsstufe der französischen Weine. Das Prinzip wurde zu Beginn des 20. Jhd. konzipiert und im Jahr 1935 durch die Schaffung der INAO vollständig umgesetzt. Im ganzen Land verfügen ca. 400 Appellationen über diese Kennzeichnung. Sie unterliegen strengen Richtlinien in Hinblick auf Ertragsmenge, Herstellung, Mindestalkoholgehalt, Rebpflege, Lagerung, Analyse und Verkostung. Der Anteil an der Gesamtproduktion liegt bei etwas mehr als 35 %, ist aber stark steigend.

V.D.Q.S.-Weine - Vins Délimités de Qualité Supérieur

Diese Weine stehen qualitativ unter den A.O.C.-Weinen, können aber durchaus über hervorragende Qualitäten verfügen und bestechen vor allem durch ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die V.D.Q.S.-Weine zeichnen für knapp 2 % an der gesamten Weinproduktion Frankreichs verantwortlich. Sie unterliegen annähernd denselben Bedingungen und Richtlinien wie die A.O.C.-Weine.

Landweine - Vins de Pays

Die Vins de Pays stehen in der Qualität unter den VDQS-Weinen und können zum Teil aus Rebsorten hergestellt werden, die in manchen Gebieten nicht für die Herstellung von A.O.C.- oder V.D.Q.S.-Weinen verwendet werden dürfen. Die Landweine, die erst 1973 per Gesetz geschaffen wurden, werden meist sortenrein ausgebaut und tragen den Namen der Rebsorte, aus der sie hergestellt wurden. Sie erfreuen sich stark steigender Popularität und zeichnen schon für etwas mehr als 20% % an der Gesamtproduktion verantwortlich. Der Großteil der Landweine kommt aus Südfrankreich. Die Landweine sind meist sauber gekelterte, ansprechende und duftige Weine, die den üblichen Tafelweinen deutlich in der Qualität überlegen sind.

Die gesetzlichen Regelungen zur Herstellung sind nicht so streng wie die zur Herstellung von Qualitätsweinen. Die Ertragsobergrenze für Landweine liegt bei 90 hl Wein/ha Rebflächen und ist somit doppelt so hoch wie die Obergrenze für A.O.C.-Weine. Zudem müssen die Weine über einen Mindestalkoholgehalt verfügen und sich einer organoleptischen Prüfung unterziehen. Auch die zur Herstellung zugelassenen Rebsorten werden vom Gesetzgeber festgelegt.

Im ganzen Land sind ca. 140 einzelne Vin de Pays Appellationen zugelassen. Dabei sind 70 % aller Vin de Pays Rot-, 20 % Rosé- und lediglich 10 % Weißweine.

Es gibt 3 Arten zur Gliederung der Französischen Landweine:

  • Vin de Pays de Région
  • Vin de Pays de Département
  • Vin de Pays de Zone

Tafelweine - Vins de Table

Als Tafelweine bezeichnet man die niedrigste Qualitätsstufe der französischen Weine. Sie haben einen Anteil von ca. 40 % an der Gesamtproduktion und sind besonders beliebt als alltäglicher Speisenbegleiter. Es sind generell einfache, unkomplizierte Weine, die für einen schnellen Konsum bestimmt sind. Sie werden manchmal auch als "Vins ordinaires" bezeichnet und stammen meist aus dem Midi oder aus den Bereichen außerhalb der AOC-Gebiete. Sie können aber auch aus Rebsorten gekeltert werden die nicht im AOC gelistet sind. Zum größten Teil sind es Rotweine die als Tafelweine auf den Markt kommen, nur ein geringer Prozentsatz entfällt auf Weißweine.

Die gesetzlichen Bestimmungen für Tafelweine sind nicht sehr streng, so gibt es kaum Beschränkungen für Ertrag oder Rebsorten. Ein großer Teil der Tafelweine ist heute gar nicht mehr verkäuflich, da sich die Qualitätsweine immer mehr behaupten, und somit fließt der überschüssige Tafelwein in den sogenannten "EU-Weinsee", der sich aus der überschüssigen Weinproduktion der Gemeinschaft zusammensetzt und destilliert wird.

Trotz der zahlreichen Regelungen ist die Kennzeichnung in vielen Weinbaugebieten deutlich unterschiedlich. Es kann zu regionalen oder kommunalen Unterschieden kommen, ohne dass diese extra am Etikett vermerkt werden müssen. In manchen Bereichen des Landes zählen zum Beispiel nur die Einzellagen zur Klassifikation wie im Burgund üblich, währenddessen im Bordeaux immer das gesamte Weingut für die Einstufung herangezogen wird.

Zu beachten gilt auch, dass französische Qualitätsweine meist immer aus mehreren Rebsorten hergestellt werden. Nur im Burgund, im Elsass und in einigen Bereich an der Loire bzw. im Rhône-Tal werden sortenreine Weine gekeltert und deklariert.

Rebsorten aus Frankreich - Weinanbauland

Rebsorten die in Frankreich - Weinanbauland angebaut werden:





Zusammenfassung und Kurzinfos

  • Aubergine, Verdelho, Malvasía, Sémillon blanc, Palomino Fino, Muscat of Alexandria, Tempranillo, Touriga Nacional, Sercial, Artischocke, Béclan, Roussette d'Ayze, Molette, Courbu, Lauzet, Camaralet, Duras und Abouriou stammt aus Frankreich
  • Pastete stammen aus Frankreich
  • Tomme de Savoie ist aus Frankreich



Quellen

  • Der Brockhaus Ernährung: Gesund essen - bewusst leben. Brockhaus, 2011 »
  • Reinhard Matissek, Werner Baltes: Lebensmittelchemie. Springer Spektrum, 2015 »
  • Der große Larousse Gastronomique. Christian, 2012 »
  • Hans-Joachim Rose: Die Küchenbibel: Enzyklopädie der Kulinaristik. Tre Torri Verlag, 2007 »
  • Prof. Dr. Waldemar Ternes, Alfred Täufel: Lebensmittel-Lexikon. Behr's Verlag, 2005 »








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