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Bordeaux - Weinanbaugebiet



© Moustyk / fotolia.com



Als Bordeaux oder Bordelais bezeichnet man ein berühmtes französisches Weinbaugebiet. Es befindet sich nahe der südwestfranzösischen Atlantikküste. Das Bordeaux verfügt über eine Gesamtrebfläche von ca. 100.000 ha, was alleine der Größe der Gesamtheit der deutschen Rebflächen entspricht. Jährlich werden von mehr als 4000 Weingütern, in Frankreich als Châteaux bezeichnet, ca. 4 Mio. Hektoliter Wein hergestellt. Dies entspricht ca. 660 Mio. Normalflaschen Wein. Berühmt wurde das Bordeaux aufgrund seiner Elite-Weine, die aber nur für einen Anteil von 5 % an der Gesamtproduktion verantwortlich zeichnen.



Region

Das Bordeaux wird von zahlreichen Kleinklimata beeinflusst. Einen wichtigen Einfluss auf das Klima der Region haben der Golfstrom und die Gironde. Sie gelten als "Heizung" des Bordeaux, so mildert der Golfstrom im Winter die Temperaturen. Im Gegensatz dazu kühlen die großen Wassermassen des Atlantiks und der Gironde im Sommer das Klima etwas ab und fügen dem Gebiet, durch Niederschläge zusätzlich noch etwas Feuchtigkeit zu. In schlechten Jahren können die Niederschläge oft deutlich ausfallen und somit in der Blütezeit der Reben oder bei der Lese zu großen Problemen führen. Auch die ausgedehnten Kiefernwälder sind von großer Bedeutung. Sie schützen die Reben vor starkem Wind oder Stürmen.

Das Bordeaux setzt sich vorwiegend aus welligem Flachland zusammen, welches nur über geringe Höhenunterschiede verfügt. Ausschlaggebend für den Charakter und die Qualität der Weine sind aber die vorherrschenden Böden. Weite Teile des Bordeaux verfügen über mächtige Kies- oder Kalksteinböden, die über ein optimales Entwässerungssystem verfügen.

Wegen seiner beachtlichen Größe ist das Bordeaux kein einheitliches Gebiet, sondern umfasst 50 Teilappellationen, von denen allerdings nur 35 im Gebrauch sind. Große Verwirrung löst die Tatsache aus, dass in den einzelnen Teilgebieten oftmals verschiedene Systeme zur Cru-Klassifizierung verwendet werden.

Médoc oder Bas-Médoc

Das Médoc ist ein 10 km breiter Küstenstreifen am linken Ufer der Gironde, nördlich der AC St.-Estèphe. Auf 5000 ha Rebfläche werden pro Jahr 250.000 hl Wein hergestellt. Im Médoc gibt es im Gegensatz zum Haut-Médoc keine Klassifizierung der Weine. Der Bereich stellt an die 130 Crus Bourgeois die für die Hälfte der Weinproduktion verantwortlich zeichnen.

Vor dem 17. Jhd. war das Gebiet so sumpfig, dass man große Teile nur mittels Boot erreichen konnte. Heute sind die Böden kieshaltig, mit Einschlüssen von Sand und Lehm, was eine optimale Drainage verhindert. Somit sind die Böden schwerer und feuchter als jene des Haut-Médoc. Aus diesem Grund erreichen die Weine auch die die Qualitäten ihrer südlichen Nachbarn.

Haut-Médoc

Die Appellation Haut-Medoc, am linken Girondeufer, ist die wohl Berühmteste des Bordeaux. Hier wird der Großteil der besten Weine des Gebietes, vorwiegend aus der Cabernet Sauvignon Traube hergestellt. Die bekanntesten Gemeinden des Haut-Médoc sind St.-Estèphe, Pauillac, Listrac-Médoc, Moulis-en-Médoc, St.-Julien und Margaux. Sie besitzen alle eigenständige Appellationen, um die einzelnen Weine besser differenzieren zu können.

Die feinsten Weine des Haut-Médoc stammen von Kiesplateaus, welche sich in direkter Nähe zur Gironde befinden. Hier können die Trauben durch die Reflexion der Sonneneinstrahlung auf den Kieselsteinen geradezu geröstet werden. Nachts sorgt ein kühler Wind dafür, dass die flüchtigen Bukettstoffe und die fragilen Fruchtsäuren der Weintrauben nicht verloren gehen. So entstehen, auf 4.000 ha Rebfläche, eine Reihe von hochwertigen Rotweinen, die sich durch einen moderaten Alkoholgehalt sowie Bukett- und Tanninreichtum auszeichnen. Insgesamt zählt der Bereich 60 Châteaux, die nach einem fünfstufigen System der Crus Classés eingeteilt werden, von den Premiers an der Spitze bis zu den Cinquièmes Crus am unteren Ende der Skala.

St.-Estèphe

Die nördlichste AC des Bordeaux ist St.-Estèphe. Die Appellation liegt im Teilbereich Haut-Médoc. Durch zahlreiche Toneinschlüsse in den Kiesböden verfügen die Rebflächen nicht über ein optimales Drainagesystem. Auf den rund 1200 ha Rebfläche gibt es keinen Premier Cru Classé dafür 5 Crus Classés und viele Crus Bourgeois.

Die Weine gelten als kernig, tanninreich und intensiv. Sie verfügen über großes Alterungspotenzial. Die bekanntesten Weingüter sind Château Cos d'Estournel und Château Montrose.

Pauillac

Die AC Pauillac ist wohl die bekannteste Appellation des Bordeaux, in der erst seit der Regentschaft von Ludwig XV Weinbau betrieben wird. Im Pauillac befinden sich alleine drei der insgesamt 5 Premiers Crus Classés, 18 Crus Classés und unzählige Crus Bourgeois. Das Pauillac verfügt über eine Gesamtrebfläche von 1100 ha und erstreckt sich entlang eines 3 km breiten Streifens von St.-Estèphe bis nach St.-Julien.

Die Weine des Pauillac gelten als kernig, kraftvoll und elegant. Sie haben ein tiefgründiges und komplexes Bukett. Sie zählen zu den langlebigsten des Bordeaux und müssen oft bis zu 25 Jahre, kleinere Gewächse bis zu 15 Jahre reifen, um ihr volles, geschmackliches Potenzial ausspielen zu können.

Die vorherrschende Rebsorte ist der Cabernet Sauvignon, der auf einen Anteil von bis zu 85 % an den Rebflächen kommen kann und auf den äußert kargen und eisenhaltigen Kiesböden bestens gedeiht. Die bekanntesten Weingüter sind Château Lafite-Rothschild, Château Latour, beide schon 1855 klassifiziert und das Château Mouton-Rothschild, das 1973 zum Premier Cru Classé deklariert wurde.

St.-Julien

Direkt südlich des Pauillac liegt die autonome AC-Appellation St.-Julien. Sie zählt zu den Weinbauorten des Haut-Médoc. Auf ca. 900 ha findet man 11 Crus Classés sowie viele Crus Bourgeois. Die Weine sind deutlich kräftiger als die des Margaux. Sie reifen schneller als jene des Pauillac und sind eleganter und zugleich auch deutlich feiner als die aus St.-Estèphe. Zudem ist der hohe Tanningehalt der Weine und ihre Langlebigkeit hervorzuheben. Die Hauptrebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot finden auf den kieshaltigen Böden optimale Voraussetzungen.

Listrac-Médoc

Die Appellation Listrac-Médoc wurde erst im Jahr 1986 eingerichtet, verfügt über eine Größe von 700 ha. Durch die schweren Böden die zum Großteil aus Sand und Lehm bestehen, werden hier meist robuste Weine hergestellt. Die bekanntesten Ortschaften der Appellation sind Fonréaud, Fourcas und Listrac. Die meist kultivierten Rebsorten sind Cabernet Sauvignon und Merlot.

Moulis-en-Médoc

Südöstlich der AC Listrac-Médoc liegt die AC Moulis-en-Médoc, dessen Rebflächen sich um den gleichnamigen Ort im Haut-Médoc erstrecken. Auf einem kleinem Kiesplateau, dem so genannten "Grand Poujeaux" werden die besten Weine der Appellation gekeltert. Mit einem Anteil von 70 % an der Gesamtrebfläche ist der Cabernet Sauvignon die dominierende Rebsorte.

Margaux

Die Appellation Margaux erstreckt sich rund um die gleichnamige Ortschaft, verfügt über eine Gesamtrebfläche von 1300 ha, welche südlich von St.-Julien liegt. Auf Kalkstein- und Kreideböden, oder auf Kiesplateaus werden vorwiegend Rotweine hergestellt. Das bekannteste Weingut ist das schon 1855 als Premier Cru Classé klassifizierte Château Margaux. Grund für die hohe Qualität der Weine, sind die besonders geschützte Lage der Reben sowie auf den extrem kargen Kiesböden. Die Weine werden zu 65 bis 75 % aus Cabernet Sauvignon gekeltert und zählen zu den Feinsten des Bordeaux.

Pessac-Léognan

Die AC Pessac-Léognan wurde 1987 geschaffen und setzt sich aus 10 Ortschaften mit insgesamt 15 klassifizierten Weingütern zusammen, die vor 1987 noch zur AC Graves zählten. Die Rebflächen umfassen 1100 ha und liegen nahe der Stadt Bordeaux. Das bekannteste Weingut ist das Château Haut-Brion, welches schon 1855 zu den besten Weingütern des Bordeaux zählte und als Premier Cru Classé ausgezeichnet wurde.

Graves

Die AC Graves verfügt über eine Gesamtrebfläche von 3000 ha und liegt nahe der Stadt Bordeaux an der Grenze zum Haut-Médoc. Im Graves werden zu 2 Dritteln Rotweinreben und zu einem Drittel weiße Rebsorten angebaut. Da im Jahr 1987 viele Cru-Lagen des Graves dem Pessac-Léognan zugeteilt wurden, kommt der Großteil der Weine nur unter der Kennzeichnung AC Graves auf den Markt. Im Graves werden aber im Gegensatz zu den meisten anderen Bereichen des Bordeaux, viele säure- und körperreiche Weißweine hergestellt, welche die Rotweine meist in der Qualität übertreffen. Die besten Tropfen kommen aus den etwas höher gelegenen Lichtungen nahe der Stadt Bordeaux.

Sauternes

Die AC Sauternes befindet sich 50 km südlich von Bordeaux. Die Appellation ist ausschließlich für Weißweine vorgesehen. Im Sauternes kommt es im Herbst durch die Einmündung des Flusses Ciron, der kühles Wasser führt, in die deutlich wärmere Garonne, zu starker Nebelbildung, welche das Auftreten von Botrytis cincerea fördert.

Auf 1000 ha Rebfläche werden die Rebsorten Sémillon, Sauvignon Blanc und Muscadelle angebaut. Aus dem Traubengut werden edelsüße Weißweine hergestellt, die zu den besten der Welt zählen. Die Weine gelten als körperreich, charaktervoll und alkoholstark. Sie verfügen über eine goldene Farbe und haben eine an Pfirsiche erinnernde Süße. Das bekannteste Weingut ist das Château d'Yquem, welches bei der Klassifizierung des Bordeaux 1855, als Premier Grand Cru Classé eingestuft, und somit eine Stufe über die Weine des Haut-Médoc gestellt wurde.

Die hohe Qualität der Sauternes-Weine geht auf die äußert geringen Ertragsobergrenzen zurück die teilweise sogar 10 hl Wein/ha Rebfläche unterschreiten. Weiters werden bei der Lese ausschließlich die edelfaulen Trauben eingesammelt.

Barsac

Die AC Barsac verfügt über 750 ha Rebfläche am Ufer der Garonne. In der Appellation werden ausschließlich edelsüße Weißweine hergestellt. Die Süßweine ähneln denen aus dem Sauternes sind aber nicht so körperreich, weniger süß, dafür aber voller Eleganz und Feinheit. Sollte die Edelfäule in einen Jahr nicht auftreten, so werden im Barsac keine Süßweine sondern trockene Weißweine hergestellt die unter der AC Bordeaux verkauft werden.

Cérons

Wie im Barsac werden auch in der etwas nörderlicher gelegegen AC Cérons hauptsächlich Weißweine gekeltert, der Großteil davon sind trockene Weißweine, die unter der AC Graves vermarket werden dürfen. Nur ein kleiner Teil entfällt auf Süßweine, die denen aus dem Sauternes ähneln.

Premières Côtes de Bordeaux

Gegenüber von Pessac-Léognan, Graves, Sauternes und Barsac erstreckt sich auf einer Länge von 60 km die Appellation Premières Côtes de Bordeaux. Auf 3.000 ha Rebfläche werden hauptsächlich Rotweine hergestellt, die über gute Qualitäten verfügen.

Entre-Deux-Mers

Die AC Entre-Deux-Mers ist mit einer Gesamtrebfläche von 23000 ha die Größte des Bordeaux. Die Weinberge liegen zwischen Garonne und Dordogne. Rotweine die in der AC Entre-Deux-Mers hergestellt werden dürfen nur als AC Bordeaux verkauft werden, da die Region für die Herstellung von Weißwein geschaffen wurde. Die Weißweine werden aus Sauvignon Blanc hergestellt und gelten als spritzig, duftig und fruchtig.

Blaye

Nördlich der Appellation Entre-Deux-Mers, direkt gegenüber dem Haut-Médoc liegen die 3000 ha umfassenden Rebflächen von Blaye, die noch nicht als AC klassifiziert wurden. Es werden sowohl fruchtige, als auch körperreiche Rotweine hergestellt, die teilweise auch über einen hohen Tanningehalt verfügen können.

Côtes de Bourg

Ungefähr 10 km südlich von Blaye liegt die Stadt Bourg mit ihren als AC klassifizierten Weinbergen, genau an der Mündung der Flüsse Garonne und Dordogne. Auf 3000 ha Rebfläche, werden hauptsächlich die für das Bordeaux üblichen Rotweinreben angebaut. Aufgrund der lehmigen und kalkhaltigen Böden entstehen körperreiche und harmonische Rotweine die einige Zeit in der Flasche reifen müssen und ihre Eleganz und Samtigkeit entwickeln zu können.

Fronsac

Die als AC klassifizierte Appellation Fronsac liegt 5 km nordwestlich von Libourne. Auf einer Gesamtrebfläche von 800 ha werden hauptsächlich die Rebsorten Merlot und Cabernet Franc auf tonhaltigen Böden angebaut. Die Weine gelten als kernig und tanninreich, können aber mit zunehmendem Alter an Samtigkeit gewinnen.

Canon-Fronsac

Die Appellation Canon-Fronsac verfügt über eine Gesamtrebfläche von 300 ha. Die Reben werden an kalksteinhaltigen Flussabhängen kultiviert und erinnern im Geschmack stark an die Gewächse des Pomerol.

Pomerol

Die kleinste Appellation des Bordeaux ist Pomerol. Sie liegt nördlich der Hafenstadt Libourne und verfügt über eine Gesamtrebfläche von 800 ha, welche ausschließlich für die Herstellung von Rotweinen zugelassen ist. Im Pomerol gibt es keine Klassifikation der Weine wie im Haut-Medoc oder im St.-Émilion, trotzdem erlangte ein Weingut, nämlich des Château Petrus Weltruhm.

Merlot gilt als Hauptrebsorte des Pomerol. In geringem Umfang wird auch Cabernet Franc kultiviert. Die Rebflächen liegen zwischen Fronsac und St.-Émilion und werden im Süden durch die Dordogne begrenzt. Die Reben werden auch einem ca. 40 m hohen Kiesplateau, welches über sand- und lehmhaltige Böden verfügt kultiviert. Die besten Gewächse stammen aus dem Norden des Pomerol. Die Weine reifen deutlich schneller als in andern Bereichen des Bordeaux, sind aber trotzdem kernig, tanninreich und samtig.

St.-Émilion

St.-Émilion ist eine der bekanntesten Appellationen des Bordeaux und hat ihren Namen von der gleichnamigen Kleinstadt 40 km östlich von Bordeaux. St.-Émilion verfügt über eine Gesamtrebfläche von 5500 ha, welche sich auf unglaubliche 1000 Châteaux verteilt. Da die einzelnen Besitztümer sehr klein sind, verfügt das St.-Émilion über eine sehr einflussreiche Winzergenossenschaft, welche die Ernte von rund einem Fünftel der Rebflächen verarbeitet.

Die Reben wachsen auf den kieshaltigen Böden an den Abhängen der Dordogne, den so genannten Côtes. Die hergestellten Rotweine sind tanninreich, komplex und elegant. Sie offenbaren erst mit zunehmendem Alter ihr Bukett, ihre Tiefe und ihre Samtigkeit.

Ursprünglich wurde im St.-Émilion schon im 3. Jhd. durch römische Legionäre Weinbau betrieben. Auch der Dichter Ausonius kultivierte hier Reben. Im 8. Jhd. ließ sich hier der bretonische Einsiedler Émilion nieder, nach dem der Bereich später auch benannt wurde.

St.-Émilion verfügt über 13 Spitzengewächse die jeweils als Premiers Grands Crus Classés deklariert sind, davon gehören 2 zur Spitzenkategorie A, weitere 11 zur Kategorie B. Zusätzlich dürfen sich 61 Gewächse als Grand Cru Classé bezeichnen. Die bekanntesten Weingüter des St.-Émilion sind Château Ausone und Château Cheval Blanc.

Côtes de Castillon

Die als AC Côtes de Castillon liegt östlich von St.-Émilion und grenzt an Bergerac. In der Appellation werden vor allem weiche und ansprechende Weine gekeltert, welche über eine frühe Trinkreife verfügen und im Stil an die Weine des St.-Émilion erinnern.



Geschichte

Erste fundierte Hinweise für Weinbau im Bordeaux gehen auf das 4. Jhd. zurück und beziehen sich auf die Schriften des Dichters Ausonius, der aus dem Bordeaux stammte und im St.-Émilion ein Weingut besaß. Noch heute erinnert der Name des bekannten Château Ausone an den berühmten Poeten. Ob es im einstigen Burdigala schon früher Weinbau gegeben hat kann man jedoch ausschließen, da weder Plinius der Ältere noch Strabo davon berichten. Somit war das Bordeaux bei den Römern wohl nur ein Umschlag- und Handelsplatz für den Export ihrer Weine nach England.

Bis ins frühe Mittelalter gibt es nur sehr wenige Quellen die über Weinbau berichten. Als bestätigt gilt jedoch, dass die Stadt während dieser Zeit mehrmals von Völkerstämmen erobert, und im Jahr 870 durch die Wikinger sogar komplett zerstört wurde.

Mit dem stetigen Aufstieg des Abendlandes nahm auch der Weinbedarf zu. Schon im 12. Jhd. war Weinbau ein fester Bestandteil in den Gemeinden Graves, Entre-deux-Mers und im Libournais.

Bereits im 13. Jhd. richtete man sich im Bordeaux auf eine Exportwirtschaft ein, die durch die guten Beziehungen zu England angekurbelt wurde. Da Weine in England zahlreiche Steuerprivilegien besaßen, wurde schon zu dieser Zeit mehr als ein Viertel der Weinproduktion nach England verschifft.

Der Großteil der Region, darunter auch das heutige Médoc, blieb aber bis ins 17. Jhd. Weideland und war für den Weinbau kaum zu gebrauchen. Die Weine kamen aus dem Graves bzw. aus Gaillac und Bergerac, waren aber kaum vergleichbar mit denen von heute. Aufgrund ihrer hellen Farbe wurden die Weine aus dem Bordeaux zu dieser Zeit als Clairet bezeichnet.

Das Ende des Hundertjährigen Krieges markierte auch das Aus für das Export-Imperium der Gascogne. Auf die Briten folgten die Holländer die nun die Weltmacht übernommen hatten und sich stark mit Weinbau beschäftigten. Sie begannen die Sumpfgebiete des Bordeaux mittels eines Kanalsystems trocken zu legen, weiters führten sie die Schwefelung der Weine ein, um ihre Haltbarkeit zu erhöhen. Im Laufe der Jahrzehnte wurden fast alle noch heute bekannten Châteaux gegründet.

Im 18. Jhd. übernahmen dann aber wieder die Briten die Herrschaft. Sie gründeten zahlreiche Handelshäuser, welche die weitre Geschichte des Bordeaux prägten. Anfang des 19. Jhd. kam erstmals der Versuch die einzelnen Reblagen nach ihrer Güte zu klassifizieren, um mehr Stabilität in den Markt zu bringen.

Einen Rückschlag erlitt das Bordeaux 1852 durch das Eintreffen des Echten Mehltau, welcher 6 Jahre lang wütete, und erst durch das Spritzen mit Kupfer, Kalk und Schwefel, der sogenannten "Bouille Bordelais" vernichtet wurde. Erstaunlich ist, dass die bis heute bestehende Klassifizierung des Bordeaux, mit einer Ausnahme, dem Château Mouton-Rotschild, genau aus dieser Zeit (1855) stammt. Als Grundlage für die Einstufung galt damals nicht die Qualität sondern der durchschnittliche Verkaufspreis, den die Güter für ihren Wein erzielen konnten.

Zwei Jahrzehnte später traf die Reblaus im Bordeaux ein und leitete die erste Weinkrise der Region ein, welche sich durch den 1. Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und den 2. Weltkrieg bis zur Mitte des 2. Jhd. fortsetzte.

Erst gegen Mitte des 20. Jhd. konnte sich der Weinbau wieder erholen. Der Aufschwung der Region war nicht mehr zu stoppen, die steigende Nachfrage konnte kaum gestillt werden und die Weine erzielten exorbitant hohe Preise an den internationalen Märkten. Um die hohe Nachfrage stillen zu können, versuchten sich einige Händler im Verschnitt der Bordeaux-Weine mit gebietsfremden Weinen. Dieser Schwindel flog aber bald auf und die Preise begannen zu sinken. Gleichzeitig wurde die Konkurrenz aus dem restlichen Europa und der Neuen Welt immer größer. Um wieder Schritt halten zu können, begannen die Winzer vor allem in der Kellertechnik aufzurüsten. Auch die Vinifikation und die Sortenzusammensetzung der Weine wurden überarbeitet.



Rebsorten

Das Bordeaux verfügt über eine enorme Anzahl an Rebsorten. Der Vorteil besteht darin, dass durch diese Vielfalt ein Ausfall, oder eine geringere Qualität einer Rebsorte, in einem Jahr durch eine andere wieder ausgleichen werden kann. So besteht das Geheimnis der Weine des Bordeaux bis heute im Verschnitt der einzelnen Rebsorten miteinander.

Rund 85 % der gesamten Rebfläche ist mit Rotweinrebsorten bedeckt. Beliebt sind vor allem Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Malbec, Petit Verdot und Carmenère. Wobei Petit Verdot und Carmenère haute nur mehr als Ergänzung zu den anderen Rebsorten dienen und teilweise auch gar nicht mehr kultiviert werden.

Für die Produktion von Weißweinen sind Sémillon, Sauvignon Blanc und Muscadelle zugelassen.



Eigenschaften

Das größte Renommee entfällt im Bordeaux auf die zahlreichen, hochqualitativen Rotweine. Sie sind stets gehaltvoll, tannin- und körperreich. Sie verfügen über eine enorme Aromenvielfalt die von Beeren- und Kräuternoten bis hin zu Holz-, Schokolade- oder Tabaktönen reicht. Weiters zeichnen sie sich durch ihre Lagerungsfähigkeit, die über mehrere Jahre bzw. Jahrzehnte reichen kann, aus.

Nicht annähernd so bekannt sind die trockenen Weißweine die im Bordeaux gekeltert werden. Sie sind duftig, leicht säurebetont, elegant im Abgang und gleichzeitig charaktervoll und konzentriert.

Nicht zu vergessen die Süßweine des Sauternes bzw. aus dem Barsac, sie genießen aufgrund ihrer Qualität ebenfalls weltweites Ansehen.



Gesetzliche Regelungen & Klassifizierungen

Um die Güte der Weine sicherstellen zu können, herrschen im Bordeaux strengste Reglementierungen. Neben der Beschränkung auf einige selektierte Rebsorten, gelten für die einzelnen Appellationen genau festgelegte Ertragsobergrenzen.

Appellation Bordeaux

Diese Appellation stellt die unterste Qualitätsstufe dar. Die Höchsterträge liegen bei 55 bis 65 hl Wein/ha Rebfläche. Die Bezeichnung kann zur Deklarierung aller Weine aus dem gesamten Bordeaux verwendet werden.

Bordeaux Supérieur

Als Bordeaux Supérieur bezeichnet man Weine die über niedrigere Erträge als einfache Bordeauxweine verfügen. Weiters muss das zur Weinherstellung verwendete Traubengut höchsten Anforderungen genügen. Die Ertragsobergrenzen für Bordeaux Supérieur-Weine liegen bei 50 hl/ha Rebfläche, wobei diese Marke je nach Lagerung der Weine auch nach oben oder nach unten revidiert werden kann. Unter der Appellation Bordeaux Supérieur können Weine aus dem gesamten Bordeaux auf den Markt gebracht werden.

Subregionale Appellationen

Die subregionalen Appellationen sind den regionalen Appellationen wie Bordeaux oder Bordeaux Supérieur übergeordnet und umfassen jeweils Teilbereiche des Bordeaux. Subregionale Bezeichnungen sind z.B.: AC Médoc, AC Graves, AC Entre-Deux-Mers usw.

Kommunale Appellationen

Die kommunalen Appellationen sind die höchste Qualitätsstufe im Bordeaux. Sie beziehen sich ausschließlich auf die am Flaschenetikett angegebene Gemeinde. Unter dieser Appellation werden die teuersten Weine des Bordeaux hergestellt und zeichnen für einen Anteil von 15 bis 20 % an der Gesamtproduktion verantwortlich. Je nach Gemeinde kann es noch zu einzelnen kommunalen Einteilungen in ein Cru-System kommen. So werden die Weine im Médoc zum Beispiel von Premiers (oberste Güteklasse) bis Cinquième Crus eingeteilt.



Wichtige Produzenten









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