Cochenillerot A, Ponceau 4 R, E 124, Victoriascharlach 4 R


Englisch: Brilliant scarlet 4R, Brilliant scarlet 3R, C.I. acid red 18, Cochineal red A, C.I. 16255, Ponceau 4R
Französisch: Food red 7, SX purple, Ponceau 4R, Rouge cochenille A, Cochenille rouge A, New coccine, Coccine nouvelle
Italienisch: Ponceau 4R, Rosso cocciniglia
Spanisch: Ponceau 4R


Inhaltsverzeichnis

Cochenillerot A ist ein synthetischer Lebensmittelfarbstoff, der die europäische Zulassungsnummer E 124 für Lebensmittelzusatzstoffe trägt. Auf der Zutatenliste kann Cochenillerot A auch als Ponceau 4 R oder Victoriascharlach 4 R deklariert sein. Bei Cochenillerot A handelt es sich um einen künstlichen Farbstoff, der eingesetzt wird, um Lebensmittel rot zu färben. Cochenille A gehört zur Gruppe der Azofarbstoffe. Chemisch ist Cochenillerot A eng verwandt mit dem Lebensmittelfarbstoff Amaranth. In Wasser und Alkohol ist Cochenille A gut löslich. Der Farbstoff zeigt sich beständig gegen Säure und Hitze, erhält jedoch in basischen Lösungen einen Stich ins Braune.


Herstellung von Cochenillerot A

Für die Herstellung von Cochenillerot A ist ein mehrstufiger Prozess notwendig. Cochenillerot A wird in der sogenannten Azokupplung [1] chemisch synthetisiert. Hierbei entsteht die für jeden Azofarbstoff typische Azogruppe [2]. Die Azogruppe besteht aus zwei Stickstoffatomen. In der Regel versteht man unter Cochenillerot A das Natriumsalz, das aus der Verbindung hervorgeht. Allerdings sind auch andere Teile aus der Verbindung zugelassen.


Verwendung von Cochenillerot A

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© Brad Pict / fotolia.com

Cochenillerot A ist nur für bestimmte Lebensmittel zugelassen und darf dem jeweiligen Lebensmittel auch nur bis zu einer gewissen Höchstgrenze zugefügt werden. Die Grenzen liegen zwischen 50 und 500 mg pro Kilogramm Lebensmittel. Zugelassen ist Cochenillerot A beispielsweise für Chorizo-Wurst, essbare Wursthüllen und essbare Käseüberzügen (Käserinde), Saucen, Chutneys, Würzmittel, Surimi, Lachsersatz, Senf, Nahrungsergänzungsmittel, Fruchtweine, Obstweine, Spirituosen, Knabbererzeugnisse, Schmelzkäse 🛒, Fischersatzprodukte, Fleischersatzprodukte, Brause, Brausepulver, Sirup, Kekse, Blätterteiggebäck, Kuchen, Desserts, Speiseeis und Süßwaren.


Höchstmengen

Der Lebensmittelzusatzstoff Chinolingelb ist nur für bestimmte Lebensmittel zugelassen und darf nicht in unbegrenzter Höhe zugesetzt werden. Für die verschiedenen Lebensmittelgruppen gelten strenge Richtlinien und Obergrenzen:

Lebensmittel Höchstmenge/Obergrenze
Brausepulver, Brausen, Sirup 50 mg/Ltr
essbare Käserinden und Wursthüllen Quantum satis
Fleisch- und Fischersatzprodukte aus pflanzlichem Eiweiß 100 mg/kg
Gesalzene Knabberartikel aus Kartoffeln oder Getreide 200 mg/kg
Kuchen, Kekse, Blätterteiggebäck 50 mg/kg
Lachsersatz, Surimi 500 mg/kg
Nahrungsergänzungsmittel 300 mg/kg
Süßwaren, Speiseeis, Desserts 50 mg/kg
Schmelzkäse 100 mg/kg
Senf 300 mg/kg
Saucen, Würzmittel, Chutneys 500 mg/kg
Spirituosen, Frucht- und Obstweine 200 mg/Ltr
Quelle: zusatzstoffe-online.de

Der Farbstoff Cochenillerot A wird zudem verwendet, um andere Farbtöne zu mischen. Zugelassen ist der Farbstoff auch für die Färbung von Arzneimitteln. Textilien und Kosmetika.


Kennzeichnung

Wird Cochenillerot A als Farbstoff eingesetzt und direkt Lebensmitteln zugeführt, muss es als Zusatzstoff deklariert werden. Seit dem 20. Juli 2010 müssen Lebensmittel, die mit Cochenillerot A gefärbt wurden den Warnhinweis "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen." auf der Verpackung tragen.


Gesundheitliche Risiken

Der ADI-Wert von Cochenillerot A liegt bei 0 bis 0,7 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Menschen mit entsprechender Veranlagung kann Cochenillerot A zu pseudoallergischen Reaktionen führen. Wenn es zu Symptomen kommt, sind in erster Linie die Atemwege und die Haut betroffen. Vor allem Menschen, die allergisch auf Salicylsäure reagieren, können empfindlich auf Cochenillerot A reagieren. Auch wer Benzoesäure weniger gut verträgt, neigt zu pseudoallergischen Symptomen beim Verzehr von Cochenillerot A. Lebensmittel, die den Farbstoff Cochenillerot A enthalten, müssen mit dem Hinweis gekennzeichnet werden, dass dieser Stoff die Aufmerksamkeit und Aktivität von Kindern beeinträchtigen kann. In der Regel wird dieser Farbstoff nicht zum Färben von Bio-Lebensmitteln verwendet.

[1] Eine Azokupplung ist eine elektrophile aromatische Substitutionsreaktion. Aromaten sind eine Stoffklasse in der organischen Chemie. Die elektrophile Substitution ist ein Reaktionsmechanismus in der organischen Chemie.
[2] In der Chemie bezeichnet die Azogruppe eine funktionelle Gruppe, die aus zwei durch eine Doppelbindung verbundenen Stickstoff-Atomen (–N=N–) besteht.



Zusammenfassung und Kurzinfos

  • Cochenillerot A hat einen ADI-Wert von 0,7 mg/kg Körpergewicht
  • Cochenillerot A ist hitzestabil, alkohollöslich, wasserlöslich, säurestabil
  • Cochenillerot A ist ein Farbstoffe, Lebensmittelfarbstoff, Azofarbstoff
  • Cochenillerot A ist einsetzbar bis 500 mg/kg Lebensmittel
  • Cochenillerot A ist zugelassen für Käserinde, Saucen, Chutney, Würzmittel, Surimi
  • Cochenillerot A kann Auslöser sein für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen, Pseudoallergien
  • Cochenillerot A werden verwendet für Kuchen
  • Cochenillerot A wird verwendet für Lachsersatz, Senf, Nahrungsergänzungsmittel, Fruchtwein, Obstwein, Spirituosen, Knabbererzeugnisse, Schmelzkäse, Fischersatzprodukte, Fleischersatzprodukte, Brause, Brausepulver, Sirup, Kekse, Blätterteiggebäck, Desserts, Speiseeis, Süßwaren, Marshmallows



Quellen


  • Der Brockhaus Ernährung: Gesund essen - bewusst leben. Brockhaus, 2011 » Der Brockhaus Ernährung: Gesund essen - bewusst leben
  • Reinhard Matissek, Werner Baltes: Lebensmittelchemie. Springer Spektrum, 2015 » Lebensmittelchemie
  • Der große Larousse Gastronomique. Christian, 2012 » Der große Larousse Gastronomique
  • Hans-Joachim Rose: Die Küchenbibel: Enzyklopädie der Kulinaristik. Tre Torri Verlag, 2007 » Die Küchenbibel: Enzyklopädie der Kulinaristik
  • Prof. Dr. Waldemar Ternes, Alfred Täufel: Lebensmittel-Lexikon. Behr's Verlag, 2005 » Lebensmittel-Lexikon