Makrobiotik, Makrobiotische Ernährung


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Die Makrobiotik ist eine ganzheitliche Lehre, die die Ernährung nach makrobiotischen Prinzipien einschließt und zu einem gesunden und langen Leben führen soll. Die makrobiotische Ernährung zählt zu den alternativen Ernährungsformen.


Makrobiotische Ernährung: Geschichte

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Die Makrobiotik basiert vor allem auf asiatischen Weltanschauungen und Philosophien. Öffentliche Stimmen sind sich über den Ursprung der Makrobiotik nicht ganz einig. Die eine Möglichkeit ist, dass die Makrobiotik ihren Ursprung in der Lehre des Taoismus hat. Beim Taoismus handelt es sich um eine asiatische Religion und Philosophie, deren Ursprung auf das 4. Jahrhundert vor Christus datiert ist. Denkbar ist auch, dass die Makrobiotik ihren Ursprung im Zen-Buddhismus hat. Der Zen-Buddhismus kam etwa im 5. Jahrhundert nach Christus auf. Weitere Quellen sprechen davon, dass die Makrobiotik ihren Ursprung in der Antike habe. So soll der griechische Arzt Hippokrates den Begriff der Makrobiotik zum ersten Mal verwendet haben. Grundsätzlich geht man davon aus, dass die makrobiotische Lehre ihre Wurzeln in der asiatischen Kultur hat. Da sich auch die makrobiotische Ernährung an den Gewohnheiten der Asiaten orientiert, musste die moderne makrobiotische Ernährung erst westlichen Gepflogenheiten angepasst werden, um Anklang zu finden.

Die moderne Makrobiotik gründet sich auf den Japaner Nyoichi Sakurazawa, der im westlichen Raum vor allem als Georges Ohsawa auftritt. Georges Ohsawa soll sich aufgrund einer eigenen Erkrankung an eine Ernährungsbewegung gewandt haben, die auf den Militärarzt Sagen Ishizuka zurückgeht. Ein Schüler dieses Arztes - Nishibata Manabu – wies Ohsawa in die Prinzipien dieser Ernährungslehre ein. Auf dieser Grundlage entwickelte Ohsawa die moderne Makrobiotik.


Grundlagen der makrobiotischen Ernährung

Die Grundlagen der Makrobiotik gründen sich auf ein paar einfache Prinzipien. So ist die Ernährung zunächst einmal die Basis für Gesundheit und Wohlbefinden. Das heißt, in der Makrobiotik geht man davon aus, dass bei der richtigen Ernährung alle gesundheitlichen Probleme verschwinden. Dann nimmt die makrobiotische Ernährung noch eine Einteilung der Lebensmittel in Yin und Yang vor. Alle Lebensmittel werden aufgrund ihrer Inhaltsstoffe einem der beiden Prinzipien zugeordnet. Bei Getreide sollen Yin und Yang im richtigen Verhältnis zueinander vertreten sein, weshalb es als Hauptnahrungsmittel gilt. Die Grundlage der menschlichen Ernährung soll also Getreide - vor allem Reis - bilden. Die Lebensmittel sollten zudem nicht verarbeitet, sondern möglichst naturbelassen gegessen werden. Ein weiterer Punkt ist, dass die Lebensmittel aus der Region stammen und der Saison entsprechend angebaut und verzehrt werden sollen.


Die 10 Stufen der makrobiotischen Ernährung

Die makrobiotische Diät umfasst 10 Stufen. Dabei reichen die einzelnen Stufen von der Stufe 7 bis zur Stufe -3. Möchte man seine Ernährung umstellen, beginnt man mit Stufe 7. Bei der 7. Stufe wird ausschließlich - also zu 100 % - Getreide gegessen. Diese Stufe soll auch bei einer Erkrankung eingesetzt werden und zu schneller Genesung führen. Die 7. Stufe ist nicht zur Dauerernährung geeignet und soll laut der Makrobiotik nach Ohsawa nur kurzfristig durchgeführt werden. Nach und nach werden dann auch andere Lebensmittel in den Speiseplan eingebaut. Ab Stufe 6 kommt zum Getreide noch Gemüse hinzu. Danach folgen Stufe für Stufe Suppe, tierisches Eiweiß, Salate und Früchte und Süßigkeiten. Dabei variiert der Anteil der Lebensmittel von Stufe zu Stufe. Laut Ohsawa soll dauerhaft nach den Stufen 1 bis 6 gegessen werden. Die Stufen von -1 bis -3 stuft er als weniger vorteilhaft für die Gesundheit ein. Laut Ohsawa soll man auch so wenig wie möglich trinken und erst dann zum Wasserglas greifen, wenn man Durst verspürt.

Bei der makrobiotischen Ernährung handelt es sich demnach um ein überwiegend vegetarisches Ernährungskonzept. Das als Grundlage Getreide zumeist in Form von Reis vorsieht. Dazu werden Gemüse, Meeresalgen und Hülsenfrüchte und selten auch Obst oder Fisch verzehrt. Allerdings sollten Obst und Gemüse aus dem regionalen, ökologischen Anbau stammen. Der Schwerpunkt der makrobiotischen Ernährung liegt also auf der pflanzlichen Kost. Bevorzugt werden sollen Vollkornprodukte wie Naturreis. Gemüse wird zumeist nicht roh verzehrt, sondern schonend gegart. Je nach Zustand und Temperatur kann sich auch die Zuordnung zu Yin und Yang verändern. Als pflanzliche Eiweißquellen dienen Seitan und Sojaprodukte. Milchprodukte, Zucker und Genussmittel wie Alkohol oder Kaffee werden weitestgehend abgelehnt. Tiefkühlkost und Konserven werden ebenfalls nicht verzehrt.

Eine Weiterentwicklung der makrobiotischen Ernährung ist die Kushi-Diät. Diese Kostform basiert auf den Prinzipien der makrobiotischen Ernährung und orientiert sich ebenfalls an Yin und Yang, allerdings wurde die Kushi-Diät der westlichen Ernährungsweise und modernen Ernährungsrichtlinien angepasst. Entwickelt wurde die Kushi-Diät von Michio Kushi.


Makrobiotische Ernährung: Ernährungswissenschaftlicher Sicht

Die ursprüngliche makrobiotische Ernährung nach Ohsawa wird heutzutage zum Großteil stark kritisiert. Zwar ist der Anteil an pflanzlicher Kost wie Vollkornprodukten und auch die fettarme Ernährungsweise als positiv zu bewerten, aber ansonsten ist die makrobiotische Diät zu einseitig. Die Lebensmittelauswahl ist stark eingeschränkt und so ist eine ausreichende Versorgung mit lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen nicht gesichert. Auch die Aussage man solle möglichst wenig trinken, widerspricht neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die DGE empfiehlt eine Flüssigkeitsaufnahme von mindestens 1,5 Litern pro Tag. Die makrobiotische Lehre beansprucht zudem für sich alle Krankheiten – einschließlich Krebs – heilen zu können. Vor allem diese Behauptung wird von wissenschaftlicher Seite als unhaltbar und gefährlich eingestuft. Ohsawa soll außerdem behauptet haben, dass der menschliche Körper in der Lage sei Vitamin C selbst herzustellen. Diese Aussage kann von der modernen Wissenschaft nicht bestätigt werden und wird ebenfalls kritisiert.

Betreibt man eine sorgfältige Lebensmittelauswahl, kann zumindest die gemäßigte Form der makrobiotischen Ernährung von gesunden, erwachsenen Personen als Dauerkost genutzt werden. Für Kinder, Jugendliche, schwangere und stillende Frauen wird sie jedoch als zu risikoreich eingestuft. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht wird die makrobiotische Ernährung als gefährlich bewertet. Vor allem wenn man sich streng makrobiotisch ernährt und überwiegend oder gar ausschließlich Getreide zu sich nimmt, besteht die Gefahr einer Mangelernährung. Die Nährstoffe Eiweiß, Fett, Calcium, Eisen, Vitamin D, Vitamin A, Vitamin C und Vitamin B12 gelten bei der strengen makrobiotischen Diät als gefährdet. Wer diese Diät durchführen möchte, sollte sich an einen Arzt wenden oder seine Ernährung mit einem Ernährungsberater besprechen.



Quellen


  • Der Brockhaus Ernährung: Gesund essen - bewusst leben. Brockhaus, 2011 » Der Brockhaus Ernährung: Gesund essen - bewusst leben
  • Reinhard Matissek, Werner Baltes: Lebensmittelchemie. Springer Spektrum, 2015 » Lebensmittelchemie
  • Der große Larousse Gastronomique. Christian, 2012 » Der große Larousse Gastronomique
  • Hans-Joachim Rose: Die Küchenbibel: Enzyklopädie der Kulinaristik. Tre Torri Verlag, 2007 » Die Küchenbibel: Enzyklopädie der Kulinaristik
  • Prof. Dr. Waldemar Ternes, Alfred Täufel: Lebensmittel-Lexikon. Behr's Verlag, 2005 » Lebensmittel-Lexikon