Ahr Weinanbaugebiet


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Die Ahr oder auch Rotweininsel des Nordens ist ein deutsches Weinbaugebiet zwischen den Städten Koblenz und Bonn linksseitig des Rheins. Das Weinbaugebiet breitet sich von hier entlang des gleichnamigen Flusses, der Ahr, auf einer Lange von 30 km in westlicher Richtung aus. Dabei ist das Weinbaugebiet eines der nördlichsten und eines der kleinsten Deutschlands, und verfügt nur über eine Gesamtrebfläche von ca. 550 ha.

Das Zentrum des Weinanbaus an der Ahr ist die Weinbaugemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler, die mehr als die Hälfte der insgesamt 16 Weinbauorte der Region beherbergt. Die bekanntesten Weinbauorte der Gemeinde sind Walporzheim, Marienthal und Ahrweiler. Neben der großen Weinbaugemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler sind aber auch noch die Weinbaugemeinden Dernau, Rech und Altenahr bekannt. Dabei liegen die besten Weinbauorte immer im mittleren Ahrtal zwischen Bad Neuenahr und Altenahr.


Ahr: Region

Aufgrund der exponierten, nördlichen Lage gehört das Weinbaugebiet zu den klimatisch diffizilsten der Welt. Das Weinbaugebiet beginnt erst einige km flussaufwärts der Mündung der Ahr in den Rhein, nahe der Stadt Remagen. Die Weinberge der Region eigen sich exzellent für Rotweinanbau, da sie die bis zu 500 m hohen Ahrberge und die Eifel vor kalten Winden schützen. Gleichzeitig strömt von südlicher Richtung warme Luft in das Ahrtal, welche die Reife der Trauben positiv beeinflusst. Die Weinberge sind hier so steil und eng, dass sich die Hitze im Sommer wie in einem Brutkessel auswirkt, und optimale Bedingungen für die spätreifen Rotweinreben schaffen.

Auch die regional typischen, tiefgründigen Schiefer-, Basalt oder Schotterböden eignen sich optimal für den Anbau von roten Rebsorten, da sie die Wärme optimal speichern und langsam an die Rebstöcke abgeben. So werden die Trauben hier im Sommer fast an den Rebstöcken gedörrt und erreichen immer Vollreife und hohe Öchslegrade die über 130 ° Öchsle liegen können.


Ahr: Geschichte

Schon die Römer, die noch vor Christi Geburt die Gegend erreichten, sollen im Ahrtal Weinstöcke angebaut haben. Urkundlich verbrieft ist der Weinbau im Ahrtal aber erst seit dem 8. Jh. Wie am Rhein, zeichnen auch im Ahrtal französische Mönche für die Weiterentwicklung und Perfektionierung des Weinbaus verantwortlich. Sie importierten eine Vielzahl von Rebsorten aus ihrer Heimat und pflanzten sie an der Ahr an. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Weinbaugebieten konnten sich hier die Rotweinrebenten, vor allem aber seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, im Vordergrund halten. Waren die Rotweine aus der Ahr zur Zeit des Wiener Kongresses noch hoch geschätzt, da der Import von Rotweinen aus Frankreich aufgrund von hohen Schutzzöllen nicht mehr möglich war, verloren die Ahr-Weine aber durch den Beitritt zur Deutschen Zollunion 1833, immer mehr an Beliebtheit, da die Winzer über Jahrzehnte hinweg nur blasse, dünne, entweder süßlich fade oder massiv saure Weine hervorbrachten. Weiters wurden die Weinqualitäten durch extrem hohe Erträge von mehr als 100 Hektolitern Wein pro ha Rebfläche zunichte gemacht.

Zu Beginn der 1980er Jahre hat sich vor allem der Winzer Werner Näkel, vermehrt für eine Verbesserung der Ahrweine eingesetzt. Er wollte eine neue Generation von Ahrweinen schaffen, die mit den großen ausländischen Weinen konkurrieren können. So versuchte er sich an neunen Techniken und führte in der Region auch den Ausbau im Barrique ein. Nach einigen Rückschlägen folgten aber schon bald Erfolge, die immer mehr Winzer aus der Ahr-Region dazu inspirierten, seinem Weg zu folgen. So wurden seit Beginn der 1990er Jahre vermehrt die Rebstöcke an das Klima angepasst und die Erntemengen beschränkt. Weiters begann man verstärkt die Maischegärung und den Ausbau im Barrique zu nützen und stellte auf eine moderne Kellertechnik um. Durch diese Änderungen konnte die Qualität der Ahrweine wieder stark gesteigert werden und so zählen die Weine heute zu den besten Rotweinen Deutschlands.


Ahr: Rebsorten

Aufgrund des vorherrschenden Kleinklimas ist das Weinbaugebiet entlang der Ahr fast ausschließlich mit roten Rebsorten bestockt. Mehr als 90 % der Gesamtrebfläche sind der Rotweinproduktion gewidmet, dabei nimmt die rote Rebsorte Spätburgunder mit einem Anteil von über 50 % an der Anbaufläche des gesamten Gebietes die Hauptrolle ein. Der Spätburgunder hat dabei den in der Vergangenheit dominierenden Blauen Portugieser überholt und seine Bestände auf lediglich 75 ha Rebfläche dezimiert. Weitere bekannte rote Rebsorten sind der Frühburgunder der im Bereich der Ahr extrem hochwertige, aber auch äußerst rare Weine hervorbringt.

Nur gut 10 % der Gesamtanbaufläche des Ahrgebiets sind mit weißen Rebsorten bestockt. Dabei nimmt der Riesling mit einem Anteil von über 90 % die Spitzenposition auf der für Weißweinreben gedachten Rebfläche ein. Weiters werden noch die weißen Rebsorten Müller-Thurgau, Kerner und Bacchus vereinzelt angebaut.


Ahr: Eigenschaften

Vor allem die Rotweine des Ahrgebiets sind international sehr geschätzt. Traditionell werden hier milde bis liebliche Rotweine, von nicht allzu intensiver Farbe hergestellt. Sie gelten als alkoholarm und wenig füllig, können aber durchaus eine erstaunliche Aromavielfalt und einen fruchtigen Charakter aufweisen. Gelegentlich werden die Rotweine der Region auch als Krankenwein bezeichnet.

Die Weißweine aus dem Ahrtal sind eher unbekannt und stehen sie im Schatten der großen Rotweine, obwohl auch die Weißweine durchaus hochwertig, elegant und ausdrucksvoll sein können.



Rebsorten aus Ahr Weinanbaugebiet

Rebsorten die in Ahr Weinanbaugebiet angebaut werden:



Zusammenfassung und Kurzinfos

  • Blauer Spätburgunder wird angebaut an der Ahr



Quellen


  • Der Brockhaus Ernährung: Gesund essen - bewusst leben. Brockhaus, 2011 » Der Brockhaus Ernährung: Gesund essen - bewusst leben
  • Reinhard Matissek, Werner Baltes: Lebensmittelchemie. Springer Spektrum, 2015 » Lebensmittelchemie
  • Der große Larousse Gastronomique. Christian, 2012 » Der große Larousse Gastronomique
  • Hans-Joachim Rose: Die Küchenbibel: Enzyklopädie der Kulinaristik. Tre Torri Verlag, 2007 » Die Küchenbibel: Enzyklopädie der Kulinaristik
  • Prof. Dr. Waldemar Ternes, Alfred Täufel: Lebensmittel-Lexikon. Behr's Verlag, 2005 » Lebensmittel-Lexikon