Bürgerliche Küche, Gutbürgerliche Küche
Französisch: Cuisine bourgeoise
Inhaltsverzeichnis
Die gutbürgerliche Küche oder auch bürgerliche Küche ist eine
Kochrichtung
und steht für die ambitionierte häusliche Küche des bürgerlichen Mittelstands.
Ihren Ursprung hat die bürgerliche Küche in
Frankreich
und entstand im 19. Jahrhunderts während der Zeit der Industrialisierung. Die
bürgerliche Küche unterscheidet sich von der herrschaftlichen Esskultur einerseits und
von der bäuerlichen Küche, sowie der durch materielle Einschränkungen geprägten Küche der
Arbeiter andererseits.
Bei der gutbürgerlichen Küche kocht die Bürgerfrau selbst und wird nicht von
Köchen
oder
Haushälterinnen
bekocht. Da mit der Hausfrau nun eine nicht-professionelle Köchin am Herd stand, die gleichwohl
gewisse Ansprüche an die Mahlzeiten stellte, entstand das Bedürfnis nach vertiefenden Kenntnissen,
die für die bessere Speisezubereitung notwendig waren. Allerdings waren bis dahin schriftliche
Rezeptsammlungen in erster Linie für die hauptberuflichen Köche bestimmt. Zudem lieferten die
Kochbücher selten mehr als allgemeine Beschreibungen der Zutaten oder der Kochtechnik. Eines der
bekanntesten Kochbücher für diesen Zweck, ist das - erstmals 1844 erschienene Buch -
Praktische Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche von
Henriette Davidis
(* 1. März 1801; † 3. April 1876). Darin sind sowohl
Rezepte
für die damals gebräuchlichen Gerichte der deutschen und französischen Küche als auch
ausführliche Informationen über Fragen rund um Kochen, Vorratshaltung, Planung und
Etikette für häusliche Gesellschaften.
Häufig wird die gutbürgerliche Küche als Synonym für die Hausmannskost angesehen. Allerdings umfasst die gutbürgerliche Küche auch aufwändigere Gerichte und insbesondere teurere Zutaten und Gewürze, die sich bis ins 20. Jahrhundert hinein die einfache Bevölkerung nicht leisten konnte. Aus der bürgerlichen Küche sind zahlreiche Rezept-Klassiker entstanden, die dann mit dem Zusatz Bürgerliche Art, "... auf bürgerliche Art", oder "... à la bourgeoise" auf der Speisekarte zu finden sind.
Quellen
- Der Brockhaus Ernährung: Gesund essen - bewusst leben. Brockhaus, 2011 »
- Reinhard Matissek, Werner Baltes: Lebensmittelchemie. Springer Spektrum, 2015 »
- Der große Larousse Gastronomique. Christian, 2012 »
- Hans-Joachim Rose: Die Küchenbibel: Enzyklopädie der Kulinaristik. Tre Torri Verlag, 2007 »
- Prof. Dr. Waldemar Ternes, Alfred Täufel: Lebensmittel-Lexikon. Behr's Verlag, 2005 »